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Ein Klangwunder schien in St. Martin das nächste auszulösen, denn auch der Carl Orff Chor präsentierte sich mit neuer Sogkraft. Er beglückte das Publikum mit der Delikatesse seines Stimmgeflechts und sprühender Leuchtkraft. Mit zarter Wehmut und ausgefeilter Dynamik tauchte er in die harmonisch reizvollen russischen Chrysostomos-Chöre des Peter Tschaikowsky und bestach mit seinem ausgesucht schönen Programm.
Gleich doppelt stimmte er das "lIyfagnum mysterium" der Weihnachtszeit an, folgte Morten Lauridsens leisen Dissonanzen in immer neue aufregende harmonische Wendungen in wie schwimmender Verhaltenheit. In diesem schwebenden Vortasten, Absacken und Abschweifen und wieder harmonischem Zusammenfinden zeigte der Chor präzise Leichtigkeit seiner Klangkunst. Sie wurde tatsächlich zur Offenbarung, als das Stimmgeflecht sich gegen Ende zu langsam beruhigte und wie schattengleich versank.
Von duftiger Zartheit und Noblesse auch die Weihnachtslieder eines Mendelssohn und Brahms. Unvergleichlich allerdings, wie der Carl Orff Chor Jan Sandströms "Es ist ein Ros entsprungen" aus zarten Klangclusters wob.
Die schöne alte Melodie schien sich in einzelnen Klangfragmenten in St. Martin aufzubauschen, zu schweben und durchdringen, um schließlich traumgleich zu verhallen und verdämmen. Ein besonderes Erlebnis!

Allgäuer Zeitung Marktoberdorf,
24.12.1999

Ein Klangwunder nach dem anderen
Benefizkonzert des Lions Clubs
mit Orff Chor, Blechbläsern
und Orgelwerken
Von Gabriele Schroth

Der Marktoberdorfer Carl Orff Chor gewinnt nun auch unter den Händen von Andreas Herrmann Kontur. Dies belegte er beim Benefiz-Konzert in der St.-Martins-Kirche. Foto: Michel
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