Memminer Zeitung,
31.05.2001

Erlesene liturgische Werke
Makellos: der Marktoberdorfer Orff-Chor in Ottobeuren
(E).

Würde es der Marktoberdorfer Carl-Orff-Chor nicht einmal verdienen, im Rahmen der Kaisersaal-Konzerte eingebaut zu werden? Sein jüngster Auftritt in der Basilika unterstrich in makelloser Weise die auf gehobenerer Stufe stehende Qualität dieses gemischten Ausnahmechores, der auf seine Tradition aus der "Arthur-Groß-Ära" aufbauen kann.
Das Programm der Marktoberdorfer umfasste erlesene liturgische Chorwerke. Ihrem Namensverleiher Carl Orff erwiesen sie mit einem stimmungsvollen "Morgensegen" ihre Referenz. An exponierten Stellen des "Magnificat" des zeitgenössischen estnischen Komponisten Arvo Pärt "explodierte" der Chor leidenschaftlich, ohne die Grenzen eines sympathischen Tutti zu überschreiten. Zum 100. Todesjahr Rheinbergers erklangen das berückende, flehentliche Kyrie aus "Cantus Missae" und die aufwühlende Tonmalerei "Warum toben die Heiden?". In den dynamischen Abstufungen bestach die hohe klangliche Homogenität der Stimmmen, so auch in Werken von Max Reger ("Der Mensch lebt"), Mendelssohn-Bartholdy ("Richte mich Gott"), Bruckner ("Os Justi") und Poulenc (einem konservativen "Salve Regina").
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