Allgäuer Zeitung Marktoberdorf,
30.04.2003

Kunst, Musik, Architektur im Einklang
Carl Orff Chor sang zum Abschluss der Casagrande-Ausstellung im Künstlerhaus
Von Gabriele Schroth

Mit einer klanggewaltigen Finissage, die auf lebhaftes Publikumsinteresse stieß, endete die Peter-Casagrande-Ausstellung im Künstlerhaus. In Anwesenheit des Künstlers und vor seinen großformatigen Ölbildern bot der Carl Orff Chor unter Leitung von Stefan Grünfelder in wechselnder Aufstellung über drei Etagen ein vielschichtiges, faszinierendes Programm.
Zusammentreffen von weitläufig offenem Backsteinbau, den großzügig gehängten farbintensiven Olbildern Casagrandes wie dem intensiven Publikumszuspruch gab einen wirkungsvollen Hintergrund für den Auftritt des Carl Orff Chores. Das 25-köpfige Ensemble mit seinem Interimsleiter Stefan Grünfelder hatte sein Programm auf die Exponate mit ihren zum Teil farblichen wie gestischen Anklängen an Arbeiten des Altmeisters Emil Schumacher oder Per Kirkeby abgestimmt.
Der Chor legte sich nicht auf einen Standort fest, sondern erzeugte mit seinen variablen Aufstellungen einen Publikumsfluss, der alle drei Etagen des Künstlerhauses mit Leben füllte.
Die von der Renaissance inspirierten Madrigalgesänge, wie Orlando di Lassos interessantes "Echo", Giovanni Gabrielis "Lieto godeo" oder das deutsche Liebeslied des Nürnbergers Hans Leo Haßler, schienen die Klangwirkungen eines doppelt aufgestellten gemischten Chores auszuloten, die allerdings etwas was unter der trockenen Akustik im dicht gedrängten Eingangsbereich litten. Umso berückender gelang im Obergeschoss vor dem ausdrucksstarken braun-beige-ocker gestimmten Triptychon Casagrandes die leichtere Muse - mit Liedern von Charlie Chaplin, den Beatles, der wie der schönen Volksliedzugabe "Kimmt schee hoamli d'Nacht".
Höhepunkt der Finissage waren zweifellos die zeitgenössischen Gesänge aus Skandinavien im Kellergeschoss: die stimmlich virtuose Auflistung der zwölf "Söhne Jakobs" des Finnen Pekka Kostiainen von 1984 mit aufregenden Silbenwiederholungen und abrupten Tonglissandi. Überwältigend geriet auch das "Warning to the Rich", jene vehemente Anklage der Armen aus dem Jakobusbrief, die Thomas Jennefelt 1977 in Stockholm in Töne setzte. Hier bewies der Carl Orff Chor wieder seine agile Stimmkunst und vielfältig schattierte, furios gesteigerte Klangwucht.
Interessant wirkte an diesem Finissage-Nachmittag gerade die freie Zusammenschau von Architektur, Malerei und Musik. Für den Maler Casagrande bestehen die Künste freilich nur parallel. Und auch wenn Künstler immer wieder einmal Bühnenbilder entworfen haben - etwa für die avantgardistischen Gesamtkunstwerke der Ballets russes -, so sieht Peter Casagrande sich keinesfalls als Bühnenbildner, sondern als Maler von Bildern, die ihre ganz eigene "Aura" besitzen, der es für den Betrachter auf die Spur zu kommen gilt.


Die großformatigen Ölbilder des Künstlers Peter Casagrande bildeten die Kulisse für den viel beachteten Auftritt des Carl Orff Chores Marktoberdorf im Künstlerhaus. Foto: Gabriele Schroth
< zurück