Festival-Chef Dolf Rabus erfüllte sich damit nicht nur einen Herzenswunsch, er brachte zugleich drei großartige Ensembles unserer Region unter Leitung des Schweden Fred Sjöberg zusammen: das Vocalensemble Landsberg, den Carl Orff Chor Marktoberdorf und das in Marktoberdorf stationierte Landes-Jugendjazzorchester. Unter Sjöbergs Dirigat und den Solisten Gunnel Sjöberg, Stefanie Graßl (beide Sopran), Michael Hanel (Bariton) wurde das Requiem in den vergangenen drei Tagen erstmals in Österreich (Bregenz) und Deutschland (Kauf-beuren, Kempten) vorgestellt.
Facettenreiches Kaleidoskop
Man kann es - im besten Sinne - unerhört nennen, was der (Jazz-) Musiker Lindberg (*1933) zu Beginn der 90er komponiert hat. Er entfaltet ein facettenreiches Kaleidoskop von Bigband-Jazz und klassischem Chorgesang, großorchestralen Passagen, die kontrastiert werden durch Improvisationen und kammermusikalische Abschnitte, von Gregorianik und romantischer Klangfülle. Alles würzt Lindberg mit den melancholisch-kargen Melodien schwedischer Volksmusik. Wie das Requiem den Extremfall des Lebens, den Tod, ausleuchtet, so lotet er die Möglichkeiten zeitgenössischer Musik aus, um dies adäquat darzustellen. Und er schafft es, den alten katholischen Totengesang für Menschen von heute verbindlich zu machen.
Das Tenorsaxofon darf solistisch improvisierend einleiten. Bald setzt der Chor ein, laut zupackend, dann ganz leise. Das Kyrie eleison vom Sopran erhält einen schwedischen Anklang, im „Tuba mirum" wütet die Posaune, im „Recordare" reflektiert verhalten das Klavier, das Sanctus gerät zum ekstatischen Samba-Tanz, dem ein düsteres Agnus Dei folgt.
Sjöberg und seine fast 100 Sänger und Instrumentalisten lassen kaum Wünsche offen, gestalten das Requiem packend, dramatisch und über weite Strecken mit konzentrierter Spannung. Umwerfend der Chor, unglaublich die Leistung der jungen Jazzer, glänzend die Solisten - wobei es allein dem Bariton ein wenig an Durchschlagskraft mangelt.
Zweifellos eine Sternstunde - von denen es bei „Musica Sacra" allerdings etliche gibt.
Allgäuer Zeitung, Marktoberdorf,
14.07.2004

Frieden - erlebbar
Auftakt zu "Musica Sacra International"
in Marktoberdorf
Von Klaus-Peter Mayr
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