10.07.2006
Alois Kramer Souverän und einfühlsam
3. Konzert Festlicher Sommer in der Wies
Das Leistungsvermögen eines Chores kann vor allem daran gemessen werden, wie dieser ohne Instrumentalbegleitung singt. Ohne den verstärkenden und Fehler verdeckenden Effekt verschiedener Instrumente ist der Focus rein auf die Stimme der Sängerinnen und Sänger gerichtet. Jeder Ton fällt auf. Am letzten Samstag Abend konnten etwa 150 Besucher in der Wieskirche hören, welche außergewöhnlichen sängerischen Fähigkeiten der exzellente Marktoberdorfer Carl- Orff-Chor besitzt. Dirigent Robert Blank leitete gewohnt souverän und höchst einfühlsam das dritte, nahezu reine, fast spirituelle Chor-Konzert der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies".
   Zu Beginn der Aufführung intonierte der Chor den Hymnus „ Veni, creator spiritus", einen Gregorianischen Choral in der Bearbeitung Carl Orffs. Wunderbar sanft erklangen die Männerstimmen in der Apsis, wechselten sich im Verlaufe der einzelnen Strophen dieses Lobgesanges an den Heiligen Geist mit den schönen Frauenstimmen ab und versetzten innerhalb weniger Augenblicke den Zuhörer gedanklich in den Chorraum einer mittelalterlichen Benediktinerabtei.
   Danach ein modernes Gegenstück zu Orffs Choral. Das „Veni, sancte spiritus" von Wolfram Buchenberg, Jahrgang 1962. In dieser Vertonung eines Textes aus dem Hochmittelalter kommt der Heilige Geist eher schrill und mit ungewöhnlichen Akkorden über die Gläubigen und trotzdem ist dieses Stück eingängig und großartig angelegt. „Ubi Caritas" der nächste Programmpunkt dann wieder ganz anders in der Komposition. Der 1986 verstorbene Franzose Maurice Durufle läßt die Motette über den Zusammenhang von Barmherzigkeit, Liebe und Gott mit einem ruhig getragenen Sopran und schönem Männergesang ganz harmonisch erklingen. Aufgelockert wurden die Aufführungen des Chores durch das Orgelspiel von Anton Guggemos, dem versierten Organisten der Wieskirche. Er ergötzte das Publikum mit einer barocken Fantasie und einer Fuge des Orgelmeisterschülers von Johann Sebastian Bach, Johann Ludwig Krebs und mit der „Incantation pour un Saint", der Anrufung eines Heiligen von Jean Langlais.
   Der Höhepunkt des Abends war Benjamin Brittens Kantate „Rejoice in the Lamb". Britten vertonte den enigmatischen Text des englischen Dichters des 18. Jahrhunderts, Christopher Smart. Hier war der Chor aufs äußerste gefordert. Schön sangen die Solisten Edeltraud Süß, Andreas Hirtreiter, Marcus Roberts und Volkmar Lutz, begleitet von Organist Andreas Wimmer. Wie sehr Anspruch und Wirklichkeit beim Marktoberdorfer Carl-Orff-Chor ineins fallen, machten alle vorgetragenen Stücke deutlich. Das Programmheft spricht von „klanglicher Ausgewogenheit", Interpretation „anspruchsvoller acappella Literatur", „Herausarbeitung der epochenspezifischen Stililstik" sowie „Darstellung des Textinhaltes". All das stimmt. Beifall.
< zurück
Dankend nehmen Dirigent Robert Blank und die Sängerinnen und Sänger des Marktoberdorfer
Carl- Orff-Chores den begeisterten Beifall der Zuhörer entgegen.
Foto: ak